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Ein Haus voller Kaffeekannen

 

Quelle:  Kirchenbote des Bistums Osnabrück Nr. 32 vom 07.August 2011:

Ein Haus voller Kaffeekannen

Ein Haus voller Kaffeekannen
   
Der Rhauderfehner Pfarrer Bernhard Gels hat ein ungewöhnliches Hobby

Von Petra Diek-Münchow

Rhauderfehn. Zu einer Kaffeetafel gehört nicht bloß eine Torte und eine feine Tischdecke. Sondern auch eine richtige Kaffeekanne aus Porzellan. Das findet jedenfalls Bernhard Gels. Der Rhauderfehner Pfarrer sammelt seit fast 20 Jahren Kaffeekannen. Wer Bernhard Gels in seinem Pfarrhaus besucht, dem kann diese Leidenschaft kaum entgehen. Im ganzen Haus hat der 65-Jährige seine Kaffeekannen verteilt. Im Büro zieren sie das Bücherregal, in der Küche säumen sie alle Oberschränke und im ersten Stock füllen sie gleich mehrere Vitrinen. Doch damit nicht genug. Weil der Platz für die zerbrechlichen Schätze hier nicht ausreicht, stellt Gels sie auch im Pfarrheim nebenan aus. Wie viele Kaffeekannen er schon gesammelt hat? ,,170 Stück", sagt er. "Und keine einzige ist doppelt."

Die Kanne bleibt oft übrig.
Seinen Anfang hat das ungewöhnliche Hobby in einer kleinen Not. Als Bernhard Gels 1991 von seiner ersten Kaplansstelle in Aschendorf nach Salzbergen wechselt, hat er keinen richtigen Hausstand - und eben auch kein anständiges Porzellan. Dafür sorgt die fürsorgliche Pfarrsekretärin. Es dauert nicht lange und der Priester bekommt ein komplettes Service - mit Kaffeekanne. "Das war sehr schön. Das halte ich heute noch in Ehren." In Salzbergen gibt es die nächsten Kannen dazu. Und richtig los geht es in St. Hedwig in Bremen. Da klappert Gels sogar Floh- und Wochenmärkte nach schönen Stücken ab. Natürlich spricht sich der liebenswerte "Tick" des Geistlichen herum. Und so bringt ihm manche alte Dame ein Exemplar vorbei. Denn die Kanne, die bleibt am Ende oft übrig. "Heutzutage benutzt man ja mehr Maschinen oder Thermoskannen", sagt Gels. Irgendwann hatte ich eine richtige Kaffeekannen-Versammlung."     '

Bei den meisten kann Gels noch heute auf Anhieb sagen, wo er sie bekommen hat. "Die da stammt aus Bremen", sagt er und zeigt auf eine Kanne mit feinen blauen Streublümchen. "Und die da hinter hat mir jemand aus Westrhauderfehn geschenkt": mit üppigen Ornamenten wie auf  einer englischen Teetafel. Tatsächlich gleicht kein Exemplar dem anderen. Da steht die hohe schmale Kanne mit filigranem Henkel und feiner roter Rose neben der robusten mit grünen Blockstreifen: Wirtschaftswundereleganz neben Siebziger-Jahre-Schick. Da gibt es die schlichte Zwei-Liter-Regimentskanne mit Tropfenfänger neben der mit glitzernden Goldlinien.

Besonders gern zeigt der Pfarrer seine vielen Kannen mit Rosen- und Blumenmustern. Denn die hat er anfangs besonders gesammelt, dann alles "mit blau, weiß, gold" - und dann alles, was er bekam. Und so steht auf der Fensterbank im Pfarrheim sogar eine Kanne im orange-braunen Tapetenmuster der sechziger Jahre, das heute .Retro" und damit schon wieder Kult ist.

Darf man die eigentlich benutzen? Pastor Gels wiegt den Kopf hin und her. Anfangs hat er das gestattet. Aber seit jemand fast mal eine Kanne zerdeppert hat, zeigt er sie lieber nur. Warum Kaffeekannen und nicht was anderes? Pastor Gels lacht und weiß darauf so recht keine Antwort. "Das ist einfach zu einer Leidenschaft geworden." Und irgendwie mag er auch die nostalgische Vorstellung, die sich damit verbindet. Wo man das beste Geschirr auftischte, mit Sahnekännchen und Zuckerzange, mit Stoffservietten und von Band aufgebrühtem Kaffee. Mit Zeit für ein ausgiebiges Gespräch. "Das ist ein Stück Tischkultur, das fast untergegangen ist", sagt Bernhard Gels. Und da wird aus dem erst verschmitzten Lächeln fast ein wehmütiges.

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