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"bibo" schreibt sogar zurück

 

Quelle: EL-Kurier  Nr. 47, Ausgabe Papenburg,  vom 20. November 2011:

Bischof Bode - Im Internet als Blogger

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Osnabrück/Emsland (jel) – Der Bischof des Bistums Osnabrück, Dr. Franz-Josef Bode, ruft Internetnutzer in einem EL-Interview dazu auf, mit ihm in einen „konstruktiven Dialog“ über das weltweite Datennetz zu treten.

Bode führt seit Juli 2010 als nach Bistums-Angaben erster deutscher Bischof ein „Blog“ (Web-Log, Internettagebuch), in dem er unter dem Autorenkürzel „bibo“ (Bischof Bode) über persönliche Erfahrungen und Erlebnisse ebenso wie über religiöse und kirchliche Themen schreibt.

Webnutzer können seine Einträge kommentieren und „bibo“ antwortet darauf. Die Reaktionen der Leser seien „zumeist sehr interessant und nachdenkenswert“, meint Bode im EL-Gespräch. „Sie enthalten oft für mich unerwartete Aspekte.

“Der Start des Blogs vor einem Jahr war Bestandteil einer Neuausrichtung der Online-Kommunikation des Bistums. Bode weist im Gespräch darauf hin, dass neue Medien „immer weniger nur der Jugend vorbehalten“ seien. Das Internet sei ein „wichtiges Werkzeug des Dialogs und der Verkündigung“, so Bode. Kirche müsse sich mit kluger Weitsicht darauf einstellen, aber nicht in der Rasanz jedes Einzelschritts.

 

 

Das Internet mit kluger Weitsicht nutzen


 EL-Interview  mit Bischof Franz-Josef Bode zu seinem Internet-Tagebuch – „bibo“ als Blogger

Von Jens LintelBischof Bode


EL: Herr Bischof Bode, Sie führen seit mehr als einem Jahr als erster deutscher Bischof ein „Blog“ im Internet, also eine Art Tagebuch, in dem Leser Kommentare zu Ihren Einträgen schreiben können. Was machen Sie da genau? Was erhoffen Sie sich davon?

Bischof Bode:  Leider habe ich nicht die Zeit, ein echtes „Tage-Buch“ zu schreiben. Ungefähr jede Woche schreibe ich kurz Eindrücke von Begegnungen und Ereignissen nieder, die mich berührt oder zum Nachdenken gebracht haben. Von diesem Anteilgeben an meinem Leben erhoffe ich mir, dass Menschen mich als verantwortliche Person der Kirche und ihrer Themen besser kennenlernen.

Wozu schreiben Sie etwas? Geht es da mehr um private, kirchliche oder religiöse Themen, greifen Sie Aspekte aus Ihren Predigten auf?
Alles, was Sie nennen, kommt vor. Genau diese Mischung ist es. „Predigen“ möchte ich allerdings vermeiden; nicht immer gelingt es mir.

Stimmen Sie sich mit den anderen Blogautoren ab? Gibt es Redaktionssitzungen, nehmen Sie teil?
Es gibt von Zeit zu Zeit Treffen mit den anderen Blogautorinnen und -autoren, um auszutauschen, wie es uns mit dem Schreiben und den Kommentaren ergeht. Redaktionssitzungen im Sinne von Themenkonferenzen haben wir aber nicht; da ist jeder ganz frei.

Sie lassen Ihre Leser in dem Blog an Alltagsgedanken und -erfahrungen teilhaben. Ist es ungewohnt für Sie, Ihre Gedanken und Ihr Tun in den Mittelpunkt zu stellen?
Ungewohnt ist eher, diese Gedanken in eine so große Öffentlichkeit zu bringen. Aber persönliche Erfahrungen weiterzugeben, fällt mir nicht schwer. Wer Vertrauen gewinnen will, muss auch Vertrauen setzen.
Melden sich Leser, schreiben Sie Kommentare?
Leser melden sich, wenn auch nicht in großer Zahl. Ihre Kommentare sind zumeist sehr interessant, mitunter kontrovers; sie eröffnen neue Gespräche, führen manchmal sogar zu persönlichen Briefen an mich.
Melden Sie sich auf Einträge von Lesern zurück? Führen Sie regelrechte Dialoge mit den Lesern?
Das kommt immer ganz darauf an – einige Beiträge fordern mehr zum Dialog auf, andere weniger. Ich muss aber gestehen, dass mir oft einfach die Zeit fehlt, um direkt wieder auf Kommentare antworten zu können. Trotzdem: Wenn Sie etwa meinen Beitrag „Der Tod gehört zum Leben“ nachlesen, da haben sich offenbar sogar Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht mit dem Blog beschäftigt. Das hat mich direkt zu einem neuen Blogbeitrag inspiriert.

Den allerersten Eintrag haben Sie um 22.45 Uhr veröffentlicht. Einen Eintrag über eine Reise ins Heilige Land haben Sie um 5.53 Uhr geschrieben. Viele Einträge kamen tagsüber, aber auch mal etwas um 20.50 Uhr. Normale Arbeitszeiten für einen Bischof?
Ich schreibe die Einträge zu sehr verschiedenen Zeiten. Spät abends ist nicht ungewöhnlich; der frühe Morgen gehört mehr dem Gebet und dem Gottesdienst.

Wann und wie oft schreiben Sie ? Gibt es ein Zeitschema?
Ich habe mir vorgenommen, mindestens ein Mal pro Woche etwas zu schreiben. Leider schaffe ich das nicht immer. Bei allem, was ich so erlebe, muss ich mich ermahnen, auch an den Blog zu denken. Wenn ich schreibe, dann geschieht das spontan und weil sich gerade ein Zeitfenster ergeben hat.

Wenn im Blog Fotos wie von dem Uhu dabei sind – machen Sie die selber?
Die Fotos von den Uhus hat eine Fotografin aus dem Bistum gemacht. Bei der Reise ins Heilige Land haben andere Pilger und der Chefredakteur des Kirchenboten Bilder von mir gemacht. Manchmal habe ich auch selbst schöne Fotos auf meiner kleinen Kamera, die ich oft mitnehme.


Sagen die Menschen im Web etwas anderes, als wenn Sie Ihnen direkt gegenüber stehen? Formulieren die Leser spitzer, akzentuierter?
Nein. Aber ich würde mich freuen, wenn wir noch ein paar mehr Leser hätten, die bereit wären, mit mir und den anderen Bistumsbloggern in einen konstruktiven Dialog zu treten.

Erreichen Sie im Blog Menschen, die nicht in die Kirchen kommen?
Ich denke schon. Das hängt jeweils wohl auch von der Sprache und den Inhalten der Texte ab.

Wie wichtig sind neue Medien und neue Formen der Kommunikation für die Kirche? Sind Sie geeignet, nur um junge Leute zu erreichen oder reicht es auch in andere Altersschichten, verändert sich Kommunikationsverhalten ganz allgemein? Muss Kirche darauf reagieren?
Die neuen Medien sind immer weniger nur der Jugend vorbehalten. Inzwischen sind mehrere Generationen darüber gut erreichbar. Das Internet ist darin ein wichtiges Werkzeug des Dialogs und der Verkündigung. Es vernetzt Menschen und bietet ihnen Raum für Begegnung und Austausch. Kirche muss sich darauf einstellen, allerdings mit kluger Weitsicht und nicht in der Rasanz jedes Einzelschritts. Sie wird in den neuen Medien kompetent vertreten sein müssen. Der gute alte handschriftliche Brief wird dabei auch zu hohem Wert kommen. Ich pflege das Briefeschreiben als Bischof durchaus. Doch letztlich ersetzt keine noch so gute mediale Kommunikation die persönliche Begegnung.


Nutzen Sie neue Medien auch privat? Mailen Sie, schreiben Sie SMS? Haben Sie ein Smartphone oder einen dieser Minicomputer? Nutzen Sie persönliche Klingeltöne?
Ehrlich gesagt, tue ich mich mit den neuen Medien rein technisch immer noch ein wenig schwer. SMS zu schreiben, ist mir allerdings eine liebe Beschäftigung, um gute Freunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Mein Handy ist recht schlicht, und zum Einstellen eines persönlichen Klingeltons bin ich noch nicht gekommen, was sich aber schon bald ändern könnte. Mails gehören zum Alltag, wiewohl sie mich manchmal ärgern, weil so viel Unbedachtes einfach losgeschickt wird – auch an Bischöfe.

www.bistumsblog.de

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